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 „Ohne Teilzeit wäre es schwierig“

Beitrag vom 28.03.2026 in der Günzburger Zeitung
von Heike Schreiber

In der Fachklinik Ichenhausen wird Teilzeit seit Jahren groß geschrieben. Die Firma Mörz in Neuburg bietet ein anderes Modell an.Die Chefin sagt: „Ich würde es nicht mehr anders machen.“

Bundeskanzler Friedrich Merz hat schon bei seinem Amtstritt deutliche Worte gewählt. „Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten und deswegen müssen wir mehr arbeiten.“ Heuer ist die Debatte darüber wieder losgetreten worden und richtig hochgekocht, als der Wirtschaftsflügel der CDU von „Lifestyle-Teilzeit“ sprach und forderte, den gesetzlichen Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken. Dass die Diskussion an den Interessen von Arbeitnehmern wie auch Arbeitgebern vorbeigeht, untermauert eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Allensbach-Umfrage.

Was IHK und Unternehmen im Landkreis Günzburg dazu sagen.

Die Teilzeit-Debatte und die Vorwürfe, dass der Grund für die wirtschaftlichen Probleme hierzulande mangelnde Leistungs- und Arbeitsbereitschaft sei, kann Oliver Stipar, IHK-Regionalgeschäftsführer, so nicht nachvollziehen. „Viele wollen doch mehr arbeiten, aber dazu müssen auch die Rahmenbedingungen passen.“ Er kenne keine Firma, die nur Voll- oder ausschließlich Teilzeit anbiete. In gewissem Umfang sei letztere absolut nützlich. Was in seinen Augen aber besonders entscheidend ist: „Es geht um flexible Arbeitszeiten, Flexibilisierung ist das Stichwort.“

Das wird in der Fachklinik Ichenhausen seit Jahren großgeschrieben. Pflegedienstleiterin Andrea Jäger ist seit 1994 in der Fachklinik tätig, angefangen hat sie als Krankenschwester. Als sie selbst junge Mama war, habe sie ihre Arbeitszeit reduziert, um sich um die Kinder kümmern zu können. Die Gründe für Teilzeitbeschäftigungen seien vielschichtig. Was auch bei der jüngsten Allensbach-Umfrage für dieFrankfurter Allgemeine Zeitungherauskam, gelte auch für die Fachklinik. Die Gründe reichen von Sorgen vor Überlastung (40 Prozent), den Anforderungen der Kinderbetreuung und -erziehung (27 Prozent) und der Pflege von Angehörigen (14 Prozent) bis hin zu eigenen gesundheitlichen Einschränkungen (23 Prozent).

 „Teilzeit und flexible Arbeitszeiten waren in der Fachklinik nie ein Problem“, betont Jäger. Inzwischen sind in dem Unternehmen 650 Mitarbeitende angestellt, 306 davon arbeiten in Teilzeit. Stefan Krotschek, kaufmännischer Direktor, schwört auf dieses Modell: „Damit können wir, ein 24/7-Betrieb, Lücken stopfen und Randzeiten hinbekommen.“ Es gibt aucheinen sogenannten Springer-Pool aus etwa 15 Mitarbeitenden, der nach dem Motto funktioniert: „Wann willst Du arbeiten? Wir suchen, wo Du arbeiten kannst.“ Andrea Jäger ergänzt, dass hier „keine Dienstpläne, sondern Wunschpläne“ geschrieben werden. Nicht umsonst zählt die Fachklinik 2025 erneut zu den 20 familienfreundlichsten Unternehmen Bayerns. Beim Wettbewerb „Erfolgreich. Familienfreundlich“ des Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales wurde die medizinische Einrichtung wiederholt ausgezeichnet. 2023 erhielt sie bereits einen Sonderpreis, gelobt wurden insbesondere die individuell vereinbarten Teilzeitmodelle. Der kaufmännische Direktor spricht von einem „Benefit für alle“, indem man auf die „Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeitenden in den verschiedenen Lebenslagen“ eingehe. „Wenn wir das nicht anbieten, strecken die Mitarbeitenden die Fühler zu anderen Betrieben aus und sind irgendwann weg.“ In Zeiten von Fachkräftemangel seien Arbeitszeitmodelle ein Investment in die Zukunft. Personalleiterin Svenja Millerfügt hinzu: „Die Mitarbeiter sind zufrieden, sie wechseln nicht zu einem anderen Arbeitgeber, und wir können Lücken ausgleichen. Ohne Teilzeit wäre es schwierig. Es funktioniert gut für beide Seiten.“

Die Mörz Metallbearbeitungs GmbH in Neuburg/Kammel legt den Fokus weniger auf Teilzeit-, als viel mehr auf moderne Arbeitszeitmodelle. Auf der Homepage wirbt dasUnternehmen mit den Schlagworten „Ausgewogene Work-Life-Balance“ und den Sätzen: „Damit Sie neben Ihrer Arbeit genügend Zeit mit Ihrer Familie und/oder Freundenverbringen und Sie die Dinge, an denen Sie Freude haben, in Ihr Leben integrieren können.“ Seit 2023 gibt es hier die Vier-Tage-Woche, „weil wir uns ausgeglichene Mitarbeiter wünschen, die während ihrer Arbeitszeit mit Begeisterung und Einsatzbereitschaft bei der Sache sind“. Christine Mörz, seit 2005 Geschäftsleiterin, gibt zu, dass sie anfangs selbst sehr skeptisch gewesen sei. „Ich bin von der alten Generation, für die gilt das Motto ,Wir leben um zu schaffen‘. Die junge Generation macht es anders, die arbeitet, um leben zu können.“ Die Familienmodelle hätten sich grundlegend geändert, dementsprechend müssten auch Firmenmodelle geändert werden, „und da wollten wir mit der Zeit gehen“.

Dass die jahrzehntelang geltenden Strukturen aufgebrochen wurden, sei auch der Corona-Pandemie geschuldet. In den Zeiten mit Kontaktverbot und Abstandhalten habe die Firma es den Mitarbeitern zum Teil ermöglicht, die fünf Stunden, die freitags gearbeitet werden mussten, im Homeoffice zu bleiben. Es habe sich gezeigt, dass es vor allem für die Kollegen, die eine weite Anfahrt haben, eine große Erleichterung gewesen sei. Christine Mörz berichtet weiter, dass daraus schließlich der Gedanke entstand, den Freitag als Arbeitstag dauerhaft zu streichen. Man habe intensiv überlegt, wie die Arbeitszeit auf vier Tage umgeschichtet werden könnte, ohne den Kollegen in der Produktion zu viel zuzumuten. Diese müssten schließlich schwer körperlich schaffen. Alle Mitarbeitenden seien rechtzeitig vorab ins Boot geholt worden, keiner sollte zu etwas „gezwungen“ werden.

Drei Monate lang, von Oktober bis Dezember 2022, wurde das Ganze getestet. Nach dieser Phase hätten sich alle dafür ausgesprochen, die Vier-Tage-Woche beizubehalten. Arbeitsbeginn ist seitdem eine Stunde früher, statt 8,75 Stunden werden 9,5 Stunden täglich gearbeitet, der Freitag ist immer frei, die Gesamtarbeitszeit hat sich von 40 auf 38 Stunden reduziert.

Bei gleichbleibendem Lohn, betont die 58-Jährige. Die zwei Arbeitsstunden, die pro Woche wegfallen, hole die Firma locker raus. „Es fehlt uns nicht an Produktivität, im Gegenteil sind wir produktiver, effektiver. Und es bringt Zufriedenheit für alle“, sagt die Geschäftsführerin. „Ich würde es nicht mehr anders machen.“ Mörz ist stolz darauf, dass sie mit diesem Modell zu den Vorreitern im Landkreis zählen, es sei ein zukunftsträchtiges Modell. In Neuburg arbeiten übrigens von den 35 Angestellten sechs sogar in Teilzeit, zweiKollegen in der Produktion sind nur halbtags aktiv. Und: Mittelfristiges Ziel ist es, die Wochenarbeitszeit für jeden auf 36 Stunden herunterzuschrauben. Dafür sollen dann mehr Leute eingestellt werden.